Die Wahrheit reden

Die Wahrheit reden

„Redet die Wahrheit miteinander“ (SACH. 8:16)

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1, 2. Was hat den größten Schaden in der Menschheitsgeschichte angerichtet, und wer ist dafür verantwortlich?

TELEFONE, Glühbirnen, Autos, Kühlschränke — das sind nur einige Erfindungen, die uns den Alltag erleichtern. Anderes hat das Leben gefährlicher gemacht: Schießpulver, Landminen, Zigaretten, Atombomben und vieles mehr. Doch schon lange vorher gab es eine Erfindung, die viel größeren Schaden angerichtet hat. Was war das? Die Lüge. Eine Lüge ist eine bewusst falsche Aussage, durch die jemand getäuscht werden soll. Wer hat sich die erste Lüge ausgedacht? Der Teufel. Jesus Christus bezeichnete ihn als „Vater der Lüge“. (Lies Johannes 8:44.) Wann äußerte Satan die erste Lüge?

2 Das war vor Jahrtausenden im Garten Eden. Das erste Menschenpaar, Adam und Eva, lebte glücklich in dem Paradies, das ihr Schöpfer ihnen gegeben hatte. Dann erschien der Teufel auf der Bildfläche. Er wusste: Gott hatte Adam und Eva verboten, vom „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ zu essen, sonst würden sie sterben. Der Teufel aber sagte durch eine Schlange zu Eva: „Ihr werdet ganz bestimmt nicht sterben [die erste Lüge überhaupt]. Denn Gott weiß, dass an demselben Tag, an dem ihr davon esst, euch ganz bestimmt die Augen geöffnet werden, und ihr werdet ganz bestimmt sein wie Gott, erkennend Gut und Böse“ (1. Mo. 2:15-17; 3:1-5).

3. Warum war Satans Lüge gemein, und welche Folgen hatte sie?

3 Satans Lüge war so gemein, weil er genau wusste, dass Eva sterben würde, wenn sie ihm glaubt und von der Frucht isst. Adam und Eva hörten nicht auf Jehova und mussten schließlich sterben (1. Mo. 3:6; 5:5). Aber es kam noch schlimmer. Durch ihre Sünde hat sich „der Tod zu allen Menschen verbreitet“. So „regierte der Tod als König“ auch über die, die nicht auf die gleiche Art und Weise gesündigt hatten wie Adam (Röm. 5:12, 14). Wir können heute nicht ewig und in Vollkommenheit leben, wie Gott es ursprünglich vorgesehen hatte. Stattdessen dauert unser Leben 70 Jahre oder 80 bei „besonderer Kraft“ und es ist oft voller Probleme und Kummer (Ps. 90:10). Was für tragische Folgen Satans Lüge doch hatte!

4. (a) Welche Fragen sollten wir beantworten können? (b) Nur wer kann nach Psalm 15:1, 2 Jehovas Freund sein?

4 Wie kam es, dass der Teufel so vorging? Jesus erklärte: „Er stand in der Wahrheit nicht fest, weil die Wahrheit nicht in ihm ist.“ Das ist bis heute so, weil der Teufel nach wie vor mit seinen Lügen „die ganze bewohnte Erde irreführt“ (Offb. 12:9). Wir wollen uns vom Teufel aber nicht täuschen lassen. Deswegen befassen wir uns mit drei Fragen: Wie führt der Teufel Menschen in die Irre? Warum lügen Menschen gewöhnlich? Und was bedeutet es, immer die Wahrheit zu reden? Die letzte Frage ist besonders wichtig, damit wir nicht wie Adam und Eva unsere Freundschaft mit Jehova verlieren. (Lies Psalm 15:1, 2.)

WIE DER TEUFEL MENSCHEN IRREFÜHRT

5. Wie führt der Teufel Menschen heute in die Irre?

5 Der Apostel Paulus wusste: Wir können es vermeiden, „von Satan überlistet [zu] werden, denn wir kennen seine Absichten“ (2. Kor. 2:11, NW, 2013). Die ganze Welt wird vom Teufel beherrscht — samt der falschen Religion, der korrupten Politik und dem profitgierigen Wirtschaftssystem (1. Joh. 5:19). Deshalb überrascht es nicht, wenn Satan und die Dämonen einflussreiche Menschen dazu bringen, „Lügen [zu] reden“ (1. Tim. 4:1, 2). Das gilt auf jeden Fall für Personen in der Geschäftswelt, die durch irreführende Werbung schädliche Produkte anpreisen oder die Menschen durch Betrügereien um ihr Geld bringen.

6, 7. (a) Warum macht sich jemand, der religiöse Lügen verbreitet, besonders schuldig? (b) Welche Lügen hast du von Geistlichen gehört?

6 Besonders schlimm ist es, wenn Geistliche Lügen verbreiten. Warum? Glaubt jemand solche Lügen und tut dann etwas, was Gott verurteilt, kann ihn das sein ewiges Leben kosten (Hos. 4:9). Jesus wusste, dass die geistlichen Führer seiner Zeit die Menschen täuschten. Er sagte ihnen ins Gesicht: „Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler, weil ihr das Meer und das trockene Land durchreist, um einen einzigen Proselyten zu machen, und wenn er es wird, macht ihr ihn zu einem Gegenstand für die Gehenna [ewige Vernichtung], doppelt so schlimm wie ihr selbst“ (Mat. 23:15). Jesus ging mit diesen geistlichen Führern scharf ins Gericht. Sie stammten wirklich aus ihrem „Vater, dem Teufel“, der ein Mörder ist (Joh. 8:44).

7 Geistliche Führer gibt es heute viele, ob man sie Pfarrer, Priester, Rabbi oder anders nennt. Wie ihre Vorgänger im ersten Jahrhundert unterdrücken sie die Wahrheit aus Gottes Wort. Sie haben „die Wahrheit Gottes mit der Lüge“ vertauscht (Röm. 1:18, 25). Sie verbreiten Irrlehren wie zum Beispiel „Einmal gerettet, für immer gerettet“, die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele, von der Reinkarnation und die absurde Auffassung, Gott sei mit homosexuellen Lebensstilen und gleichgeschlechtlichen Ehen einverstanden.

8. Welche Lüge erwarten wir von Politikern in naher Zukunft, und wie sollten wir darauf reagieren?

8 Auch durch Lügen in der Politik werden Menschen irregeführt. Eine der größten Lügen wird noch zu hören sein, wenn Menschen behaupten, sie hätten „Frieden und Sicherheit“ erreicht. Doch „dann wird plötzliche Vernichtung sie überfallen“. Lassen wir uns nicht hinters Licht führen, wenn versucht wird, die bedenkliche Lage des heutigen Weltsystems zu beschönigen. Wir wissen nur zu gut, „dass Jehovas Tag genauso kommt wie ein Dieb in der Nacht“ (1. Thes. 5:1-4).

WARUM MENSCHEN LÜGEN

9, 10. (a) Warum lügen Menschen, und wozu führt das? (b) Was sollten wir über Jehova im Sinn behalten?

9 Wenn eine neue Erfindung populär wird, geht sie irgendwann in Massenproduktion. Dasselbe ist mit der Lüge passiert. Lügen zu verbreiten ist heutzutage gang und gäbe, und nicht nur einflussreiche Leute lügen. Laut dem Artikel „Warum wir lügen“ von Y. Bhattacharjee ist „das Lügen inzwischen als ein im Menschen tief verwurzelter Charakterzug anerkannt“. Meistens lügen Menschen, um sich zu schützen oder ihr Image aufzupolieren. Sie lügen, um Fehler und schlechtes Benehmen zu vertuschen oder um sich wirtschaftliche oder persönliche Vorteile zu verschaffen. In dem Artikel heißt es: „Wir flunkern mit Leichtigkeit, produzieren kleine und große Lügen gegenüber Fremden, Mitarbeitern, Freunden und unseren Lieben.“

10 Wozu führen all die Lügen? Zu Vertrauensverlust und gestörten zwischenmenschlichen Beziehungen. Stellen wir uns vor, wie schwer es einen treuen Ehemann trifft, wenn er feststellt, dass seine Frau ihn betrügt und ihre Affäre vertuscht. Oder wenn ein Mann seine Frau und seine Kinder zu Hause misshandelt, in der Öffentlichkeit aber den perfekten Ehemann und Vater spielt. Man darf aber nicht vergessen: Vor Jehova können solche Menschen nichts verbergen, denn vor ihm ist alles „nackt und bloßgelegt“ (Heb. 4:13).

11. Was lernen wir aus dem Beispiel von Ananias und Sapphira? (Siehe Anfangsbild.)

11 Dazu das Beispiel eines Ehepaars aus der Christenversammlung im ersten Jahrhundert: Ananias und Sapphira. Wie die Bibel sagt, ließen sich die beiden „vom Satan so dreist machen“, dass sie Gott anlogen. Sie heckten einen dreisten Plan aus, um die Apostel zu täuschen: Sie verkauften ein Grundstück, brachten den Aposteln aber nur einen Teil des Erlöses. Ihr Ziel war es, in der Versammlung gut dazustehen. Es sollte so aussehen, als wäre ihre Spende großzügiger, als sie es in Wirklichkeit war. Doch Jehova durchschaute das und bestrafte die beiden (Apg. 5:1-10).

12. Wo werden boshafte, reuelose Lügner enden, und warum?

12  Was hält Jehova vom Lügen? Der Teufel und alle anderen boshaften Lügner, die nicht bereuen, werden im Feuersee enden (Offb. 20:10; 21:8; Ps. 5:6). Warum? Für Jehova fallen sie in die gleiche Kategorie wie „die Hurer und die Mörder und die Götzendiener“ (Offb. 22:15).

13. Was wissen wir über Jehova, und wozu motiviert uns das?

13 Wir wissen: „Gott ist nicht ein Mensch, dass er lügen würde.“ Ja, es ist „unmöglich . . ., dass Gott lügt“ (4. Mo. 23:19; Heb. 6:18). Jehova hasst „eine falsche Zunge“ (Spr. 6:16, 17). Um ihm zu gefallen, müssen wir immer ehrlich sein. Wir richten uns nach der Bibel, die sagt: „Belügt einander nicht“ (Kol. 3:9).

„REDET DIE WAHRHEIT MITEINANDER“

14. (a) Wodurch unterscheiden wir uns von Mitgliedern falscher Religionen? (b) Welcher Grundsatz steckt in Lukas 6:45?

14 Wodurch unterscheiden sich wahre Christen von Mitgliedern falscher Religionen? Wir reden „die Wahrheit miteinander“. (Lies Sacharja 8:16, 17.) Wie Paulus erklärte, „empfehlen wir uns als Gottes Diener . . . durch wahrhaftige Rede“ (2. Kor. 6:4, 7). Jesus sagte über den Menschen: „Aus der Fülle des Herzens redet sein Mund“ (Luk. 6:45). Wenn also jemand im Herzen die Wahrheit redet, kommt sie auch aus seinem Mund. Wir sagen dann mit Leichtigkeit die Wahrheit — gegenüber Fremden, Mitarbeitern, Freunden und unseren Lieben. Woran zeigt sich, dass wir in allen Dingen ehrlich sein wollen? Dazu einige Beispiele.

Womit könnte diese junge Schwester ein Problem haben? (Siehe Absatz 15, 16)

15. (a) Warum ist es nie klug, ein Doppelleben zu führen? (b) Was hilft jungen Leuten, schlechten Einflüssen zu widerstehen? (Siehe Fußnote.)

15 Bist du ein junger Mensch und möchtest von anderen akzeptiert werden? Mach es nie Jugendlichen nach, die ein Doppelleben führen. Sie machen in der Familie und in der Versammlung einen anständigen Eindruck, aber in sozialen Medien oder wenn sie mit Jugendlichen zusammen sind, die keine Zeugen Jehovas sind, geben sie sich ganz anders: Sie haben zum Beispiel eine schlechte Sprache, tragen unanständige Kleidung oder hören sich niveaulose Musik an. Vielleicht betrinken sie sich, nehmen Drogen, haben heimliche Dates oder Ähnliches. Sie betrügen ihre Eltern, die Brüder in der Versammlung und Jehova (Ps. 26:4, 5). Doch Jehova weiß, wenn wir ihn nur „mit den Lippen“ ehren, unser Herz aber von ihm „weit entfernt“ ist (Mar. 7:6). Halte dich besser an den Spruch: „Möge dein Herz nicht neidisch sein auf Sünder, sondern sei in der Furcht Jehovas den ganzen Tag“ (Spr. 23:17). *

16. Was für eine Rolle spielt Ehrlichkeit bei Bewerbungen?

16 Möchtest du Pionier werden oder dich in einem Bereich des Sondervollzeitdienstes einsetzen, zum Beispiel im Bethel? Bei der Bewerbung ist es wichtig, alle Fragen zu deinem Gesundheitszustand, deiner Wahl der Unterhaltung und deiner Moral vollständig und wahrheitsgemäß zu beantworten (Heb. 13:18). Wenn du dich auf irgendein unreines oder fragwürdiges Verhalten eingelassen hast, von dem die Ältesten keine Kenntnis haben, lass dir von ihnen helfen. Dann kannst du Jehova mit einem reinen Gewissen dienen (Röm. 9:1; Gal. 6:1).

17. Was ist wichtig, wenn wir unter Verfolgung über unsere Brüder befragt werden?

17 In manchen Ländern ist unsere Tätigkeit eingeschränkt. Was solltest du tun, wenn du über deine Glaubensbrüder befragt wirst? Musst du dann alles sagen, was du weißt? Was tat Jesus, als er vom römischen Statthalter verhört wurde? Jesus richtete sich nach dem Grundsatz, dass es „eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden“ gibt (Pred. 3:1, 7; Mat. 27:11-14). Manchmal sagte er gar nichts! In manchen Situationen müssen wir vorsichtig sein, damit wir unsere Brüder nicht gefährden (Spr. 10:19; 11:12).

Wie würdest du entscheiden, ob es Zeit zum Schweigen oder zum Reden ist? (Siehe Absatz 17, 18)

18. Was ist wichtig, wenn wir mit den Ältesten über unsere Glaubensbrüder sprechen?

18 Was, wenn du weißt, dass jemand aus der Versammlung eine schwere Sünde begangen hat? Die Ältesten haben die Aufgabe, die Versammlung moralisch rein zu halten. Deshalb fragen sie dich vielleicht etwas zu der Angelegenheit. Was tust du dann — vor allem wenn es einen Freund oder Verwandten betrifft? „Ein vertrauenswürdiger Zeuge wird die Wahrheit sagen“ (Spr. 12:17, NW, 2013; 21:28). Sag den Ältesten also nicht nur die Hälfte und versuche auch nichts zurechtzubiegen. Sie haben ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren, weil sie dann am besten in der Lage sind, demjenigen zu helfen, sein Verhältnis zu Jehova zu bereinigen (Jak. 5:14, 15).

19. Worum geht es im nächsten Artikel?

19 Der Psalmist David betete: „Du hast Gefallen gefunden an Wahrhaftigkeit selbst im Innern“ (Ps. 51:6). David wusste: Ehrlichkeit ist eine Herzensangelegenheit, sie kommt von innen. Wahre Christen reden in allem „die Wahrheit miteinander“. Sie fallen aber noch durch etwas anderes positiv auf: Gottes Diener lehren die Wahrheit. Darum geht es im nächsten Artikel.

^ Abs. 15 Siehe Kapitel 15, „Wie komme ich gegen Gruppenzwang an?“, und Kapitel 16, „Doppelleben: Wen geht das was an?“, in dem Buch Fragen junger Leute praktische Antworten, Band 2.